Karfreitag in den Bergen

Eine spirituelle Bergwanderung zum Gedächtnis an Jesu Tod - dies war für mich eine ganz neue Erfahrung. Schon am frühen Morgen fuhren zehn junge Leute von der Jugendstelle Innenstadt zum Tegernsee um dort den Aufstieg auf den Fockenstein anzugehen. Es erwartete uns eine schneebedeckte Landschaft, die von der Frühlingssonne bereits warm beschienen wurde. So wurde Jesu Sterben für uns auch in der Natur gegenwärtig: Die Sonne und die singenden Vögel verhießen schon die Auferstehung in einer noch toten, von Eis bedeckten Natur.

Beim Aufstieg zur Aueralm hielten wir alle paar Minuten an für eine Station des Jugendkreuzwegs, den Andrea Uhl von der Jugendstelle für uns vorbereitet hatte. Die Lieder, Texte und Gebete gingen auf die letzten Worte Jesu ein. Wir nutzten jede Station um uns über unsere Gedanken auszutauschen. Auf dem Weg dazwischen war genug Zeit um über jede Bibelstelle noch einmal intensiv nachzudenken. Der letzte Anstieg zum Gipfel forderte unsere Kräfte. Das Gipfelkreuz war das natürliche Ziel unserer spirituellen Wanderung. Dort angelangt luden wir schließlich all unsere innere Last ab auf den gekreuzigten Christus. Eine unglaubliche Fernsicht in das Hochgebirge und nach München war die überwältigende Belohnung. Der Abstieg war dann das reinste Vergnügen: Auf dem Schnee der steilen Bergwiesen ließ es sich wunderbar herunterrutschen. In der Aueralm ließen wir uns noch bei Essen und Trinken die warme Nachmittagssonne ins Gesicht scheinen, bevor wir frisch gestärkt den letzten Abstieg angingen.

Für mich blieb als besondere Erinnerung die starke, fröhliche Gemeinschaft unserer Wandergruppe. Jeder konnte in seinem eigenen Tempo gehen und fand dabei immer Weggefährten. So kamen alle glücklich an das Ziel - der eine schneller, der andere etwas gemächlicher.

von Peter Meisel

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